Geschriebenes

Lampeons Garten

Noch nicht loslassen

den Sommer

Er trägt noch Geschichten in sich

In wolkenlosen Nächten höre ich zu

Die Kaffeetasse am Morgen lässt Sterne nachfühlen

Tische werden im Freien gedeckt

Jede Barfußspur im feuchten Gras ein Genuss

Minzblätter pflücken und sehen, wie sie in der Karaffe mit Holundersaft eintauchen

Fenster kennen kein Zu

Im Schatten den Geruch der Bäume atmen

Hortensien sich wandeln sehen

Die Kastanie von unten sprechen lassen beim Rhythmus der Hängematte

Vor Fledermäusen in Deckung gehen an den lauen Abenden auf der Terrasse

obschon sie niemals das Haar küssen

Auf grünen Wiesen wird Lachen gesät

Flohmarkt, Bänke, Decken und Gespräche

Das Innen teilen und zu später Stunde Kino im Freien

Ein Feuer entzünden, es wärmt und malt Haut golden

Singen, einer spielt immer die Gitarre

Fühlen, wie schön das Leben ist

Das, was wir lieben, müssen wir loslassen

Gib mir noch ein paar Tage

Bald, bald lasse ich ihn los

den Sommer

 

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24 Gedanken zu „Geschriebenes

  1. Jede Zeile dieser Bilderfolge wäre eines Kommentares wert; ich entscheide mich für die Fenster, die kein „Zu“ kennen.

    Ich habe im Rheinland schon die zuënen (zu-e-nen) Fenster kennengelernt. Gnadenlos ignoriert vom Duden. Diese Ignoranz wiederum gnadenlos ignoriert von den Menschen am Strom.

    Allein die Substantivierung der Geschlossenheit als „das Zu“, das nicht von den Fenstern gekannt wird, das ist eine schöne Vorstellung von der Sommerluft, die durchs Haus strömt, ein Strom, den man nicht abbrechnen lassen möchte. Die Wärme des Tages und die hoffentlich angenehme Frische der Nacht.

    Jetzt bastle ich mir noch einen Ohrwurm mit allem, was sich auf „Zu“ reimt.

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    • Hab lieben Dank für deinen Kommentar. Es freut mich, was du aus einer kleinen Textzeile entstehen lässt.
      Ja, die Menschen folgen ihren eigenen Regeln und nicht immer denen des Dudens.
      Ich mag diesen Strom, der durchs Haus weht.
      Grüße zu dir und dem Ohrwurm : )

      Gefällt 1 Person

  2. wunderwunderschön, liebe marion, auch wenn die letzten zeilen, (sehr weise!), schon sehr melancholisch klingen.
    aber – wir wissen ja, ein neuer sommer wird kommen.
    und bis dahin genießen wir eben den herbst (ich liebe ihn auch mit seinen farben!) und den winter – in der vorfreude auf ein neues erwachen der natur! :)
    dein gedicht nehme ich mit in diese letzten sommertage, danke!
    liebe grüße,
    diana

    Gefällt 1 Person

    • Ich mag sie auch all die Jahreszeiten. Auch den Wechsel zwischen ihnen. Jede hat viel zu schenken und bringt Genuss und so freue ich mich mit dir auf den bunten Herbst, der schon in der Nähe wartet. Doch noch, noch bin ich im Sommer und so ganz will er noch nicht ziehen…

      Gefällt 3 Personen

  3. Auch das ist wichtig. Nicht vorauseilen. Dieses stete Träumen und Hereinziehen des Kommenden. Das Verwäscht doch immer den Genuss im Heute. Wenn morgen der Herbst durch die Morgenluft weht, dann ist das fein. Wenn übermorgen Altweibersommer die kurzen Röcke anzieht, ebenso. Bedeutsamer aber: Merken wir auch, wie es gerade jetzt ist?
    Danke für deine wunderbaren und bildvollen Zeilen.

    Gefällt 1 Person

  4. Sehr schöne, sommerliche Zeilen, Ich fühle mit dir :-) In deinen Worten ist alles drin, wonach der Sommer schmeckt, riecht, sich anfühlt. Wunderbar !!! Erinnert mich auch an frühere schöne Sommer. Und immer die Fenster offen – herrlich. Ich will ihn auch noch nicht loslassen (ganz besonders das abendliche Licht möchte ich nicht loslassen !!), aber ich freue mich auf einen wundervoll warmen Altweibersommer :-)

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